Die Harlebucht - von Menschenhand gemachtes Land

Liebe Besucher*innen,

Die am 29. März geplante Eröffnung der neuen Sonderausstellung des Deutschen Sielhafenmuseums „Die Harlebucht – Von Menschenhand gemachtes Land“ musste leider wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Damit Sie sich dennoch an Bildern und Inhalten der für unsere Region so wichtigen Themenausstellung erfreuen können, haben wir hier für Sie eine digitale online Version der Sonderausstellung realisiert.

Die Sonderausstellung zur Harlebucht ist Teil eines Gemeinschaftsprojektes des Museumsverbunds Ostfriesland zum Thema „Dat löppt – Wasser in der ostfriesischen Kultur“ und wird durch die Regionale Kulturförderung der Ostfriesischen Landschaft finanziell unterstützt. 14 Verbundmuseen in ganz Ostfriesland sind an der Gemeinschaftsausstellung beteiligt.

Die Carolinensieler Ausstellung wurde von Peter Kremer konzipiert und verdeutlicht das wechselseitige Miteinander von Mensch und Natur bei der Besiedelung des Marschlandes und der Gestaltung einer sicheren Küstenlinie.

Der goldene Ring im Bereich der Harlebucht. (Graphik: Peter Kremer)
Der goldene Ring im Bereich der Harlebucht.
Deicher mit Koyerkarren 1935 (Foto: Archiv DSHM)
Deicher mit Koyerkarren 1935

Damit greift die Ausstellung die Themen des Nationalpark-Hauses auf, mit dem sich das Sielhafenmuseum die Alte Pastorei teilt. Schülerinnen und Schüler der KGS Wittmund gestalten und erarbeiten im Rahmen ihrer Facharbeiten zum Thema „Die Harlebucht - eine Region verändert sich“ einen eigenen Ausstellungsteil.

Das älteste Objekt ist ein über 2200 Jahre altes Klappensiel, ein einfacher, ausgehöhlter Baumstamm, der ursprünglich zur Entwässerung in die Ems diente. Die Ostfriesische Landschaft stellte das archäologische Fundstück als Leihgabe zur Verfügung. Die eigens angefertigte, teilklimatisierte Vitrine finanzierte der Rotary Club Wittmund-Esens.

Die Ausstellung wird, sobald sich die Museumstüren wieder öffnen können, bis zum 7. November in der Alten Pastorei gezeigt. Die geplanten Feierlichkeiten mit Einführungsvortrag und Musik sollen dann bei einer Finissage nachgeholt werden.

Themen der Ausstellung

Der Ursprung der Harlebucht – kaum Land in Sicht

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Die Harlebucht um 1600, Ausschnitt aus der Karte des Ubbo Emmius

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Sonderausstellung, dort, wo Sie jetzt stehen, hätten Sie vor ein paar hundert Jahren noch mitten im Watt gestanden, kilometerweit von Ufer und Deich entfernt. Denn hier um die Harle herum war eine weite Wattenbucht, die sich mittlerweile gänzlich in fruchtbares Marschenland verwandelt hat. Ein sehr dynamisches Wechselspiel aus natürlichen Kräften und menschlichen Eingriffen hat diesen Wandel bewirkt. Die Ursprünge der Harlebucht liegen im Dunkeln. Um Christi Geburt war hier noch niedriges, feuchtes Marschenland (Sietland), großflächig bedeckt von Niedermooren. Zur Küste hin lag ein Streifen hoher Marsch. Nur diese hohen, weniger feuchten Marschen, die sogenannten Uferwälle waren für eine Besiedlung geeignet. Die ältesten Siedlungsspuren in den friesischen Marschen reichen bis in das 10. Jahrhundert vor Christus zurück.

Infotafel: Der Ursprung der Harlebucht – kaum Land in Sicht (PDF | 1,3MB)

Ein armseliges Volk auf Hügeln – Wurten an der Harlebucht

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Ein armseliges Volk auf Hügeln – Wurten an der Harlebucht

 „[...] Mit ungeheurer Wucht überflutet der Ozean dort zweimal im Zeitraum von Tag und Nacht ein unermesslich weites Land; er bedeckt eine mit der Natur ewig im Widerstreit liegende Fläche, und es ist zweifelhaft, ob diese zum Festland gehört oder ein Teil des Meeres ist. Dort wohnen sie, ein armseliges Volk, auf hohen Halligen oder auf künstlichen, der erfahrungsgemäß höchsten Flut angemessenen Dämmen, auf denen ihre Hütten stehen, Seefahrern ähnlich, wenn die Wassermassen ringsumher alles bedecken, Schiffbrüchigen aber ähnlich, wenn die Flut zurückgetreten ist;"
(Gaius Plinius Secundus - Naturalis historia, Buch XVI, 1. Kapitel, Absatz 2 - 4, Übersetzung: Roderich König)

So beschrieb der römische Historiker Plinius der Ältere 77 n. Chr., was er mit eigenen Augen gesehen hatte. Zwischen Weser und Ems lebten damals die Chauken, westlich der Ems die Friesen. Ihre Höfe und Dörfer hatten sie auf selbst aufgeworfene Hügel gesetzt, um sie vor den winterlichen Sturmfluten zu schützen. Diese erhöhten Wohnplätze nennt man Wurten oder Warften. Wegen des langsam steigenden Meeresspiegels mussten die Wurten bis zum Beginn des Deichbaus im Mittelalter immer weiter erhöht werden

Infotafel: Ein armseliges Volk auf Hügeln – Wurten an der Harlebucht (PDF | 1,4MB)

Ein goldener Ring um Friesland – die ersten Deiche

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Der goldene Ring im Bereich der Harlebucht. Rechts (rot) der Ringdeich zwischen Oldorf und Neuwarfen. (Graphik: Peter Kremer)

Bis zum Mittelalter war der Meeresspiegel so hoch angestiegen, dass schon kräftige Sommerfluten ausreichten, das Kulturland zu überfluten. Die Höfe blieben dann zwar trocken, aber die Böden wurden immer salziger. Die Marsch drohte, sich in unbesiedelbares Watt zurückzuverwandeln.

Um zumindest die Sommerfluten abzuwehren, zogen die Friesen ab etwa 1.000 n. Chr. kleine Deiche ringförmig um ihre Wirtschaftsflächen. Den Bau dieser Deiche regelten die beteiligten Hofstellen in Eigenregie. Oft wurden die Wurten in den Ringdeich mit eingebunden, wie es zum Beispiel für Oldorf und Neuwarfen nachgewiesen ist.

Um 1200 waren die gesamten Marschen von einem wabenartigen Netz solcher lokaler Deichsysteme durchzogen.

In fast logischer Konsequenz folgte der nächste Schritt in der Geschichte des Deichbaus. Die Küstenbewohner bündelten ihre Schutzmaßnahmen zu einem großen gemeinsamen Deichprojekt. Statt vieler kleiner Deiche bauten sie bis 1300 einen hohen Deich entlang der gesamten friesischen Marschenküste, der auch die Sturmfluten des Winters abwehrte. Stolz nannten die Friesen ihr Werk den „goldenen Ring”.

Infotafel: Ein goldener Ring um Friesland – die ersten Deiche (PDF | 1MB)

Schwere Deichlast – die Verteidigung der Seeburg

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Deicher mit Koyerkarren 1935 (Foto: Archiv DSHM)

Bau und Unterhalt der lokalen Ringdeiche lagen in der Hand der Hof- und Dorfgemeinschaften, deren Wirtschaftsflächen durch den Deich geschützt waren. Der durchgängige, küstenparallele Deich, der ab dem 13. Jahrhundert gebaut wurde, erforderte jedoch überregionale Zusammenarbeit. Aus anfänglichen genossenschaftsähnlichen Gewohnheitsrechten wurden festgesetzte Rechtsprechungen.
Wie auch heute noch galt von Anbeginn grundsätzlich: Wer im Schutz des Deiches lebt, muss auch zu seinem Erhalt oder Wiederaufbau beitragen.

Nach dem Gesetz der Pfanddeichung bekam jeder Grundbesitzer in der Marsch in Abhängigkeit seiner Hofgröße von der Obrigkeit einen Abschnitt des Deiches zugewiesen, den er in Eigenregie zu unterhalten hatte. Die Arbeiten wurden von Knechten und Familienmitgliedern ausgeführt. Allzu oft blieb während der Deicharbeiten ein Großteil der Arbeit auf dem Hof liegen.

Infotafel: Schwere Deichlast – die Verteidigung der Seeburg (PDF | 1,3MB)

Ein hohler Baumstamm im Deich - Sielbau seit über 2000 Jahren

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Der entwässernde Friese (Zeichnung: Ida Oelke, 2020)

Deichbau ist nur die halbe Miete eines wirksamen Küstenschutzes. Es gilt, auch das Binnenwasser durch die Deiche ins Wattenmeer abzuleiten, ohne dass durch solche Deichlücken das salzige Nordseewasser in die kultivierten Marschen eindringen kann.

Zu diesem Zweck legt man dort, wo ein Entwässerungsgraben oder Tief eine Deichlinie kreuzt, einen mehr oder weniger großen Schacht durch den Deich, der außendeichs mit einer Klappe oder mit Toren versehen ist. Das abfließende Binnenwasser drückt die Tore automatisch auf, umgekehrt werden die Tore von der auflaufenden Flut zugedrückt. Diese Vorrichtungen sind die überall an der Marschenküste anzutreffenden Siele.

Infotafel: Ein hohler Baumstamm im Deich - Sielbau seit ueber 2000 Jahren (PDF | 670KB)

Kein Siel, kein Land, kein Leben - die Entwässerung der Marsch

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Gewölbesiel bei Sturmflut (Graphik Sibylle Schmidt)

Die größten herkömmlichen Siele waren die gemauerten Gewölbesiele. Ein System aus Fluttoren, Sturmfluttoren und Ebbtoren war darin untergebracht und regelte Sturmflutschutz und Entwässerung. In der Graphik rechts ist die Abdeckung des Siels weggelassen, um die Torpaare sichtbar zu machen.

Infotafel: Kein Siel, kein Land, kein Leben - die Entwässerung der Marsch (PDF | 760KB)

Neufunnixsiel 1679 - mehr als nur ein Siel

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NLA Aurich Rep. 244 A Nr. 1418 (Kolorierung Peter Kremer)

Diese nachträglich per Computer kolorierte Handzeichnung von 1679 ist gewestet. Sie zeigt Neufunnixsiel mit dem Klein Charlottengroden (oben), dem Groß Charlottengroden (unten) und dem Enno-Ludwigs-Groden (links).

Der Kajedeich in der Bildmitte wurde zum Schutz der Deichbaustelle am Groß Charlottengroden angelegt und nach Abschluss der Arbeiten wieder abgebaut.

Infotafel: Neufunnixsiel 1679 - mehr als nur ein Siel (PDF | 770KB)

Stau vorm Deich - das Zeitalter der Schadensfluten

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16_Die „Hamburgflut“ 1962 (Fotos Franz Tuhy - Archiv DSHM)

So wirksam sich Deich- und Sielbau für Sturmflutschutz und Entwässerung erwiesen, so hatten sie im Falle schwerer Sturmfluten doch eine fatale Nebenwirkung.

Auch bevor es Deiche gab, hatten Sturmfluten katastrophale Auswirkungen. Der römische Historiker Plinius der Ältere beschrieb im 1. Jahrhundert nach Christus, wie die Marschenbewohner Seefahrern glichen, wenn ihre Wurten ringsum von Wasser umgeben waren, und Schiffbrüchigen, wenn das Wasser nach der Sturmflut wieder abgeflossen war.

Infotafel: Stau vorm Deich - das Zeitalter der Schadensfluten (PDF | 810KB)

De Grote Manndrenke 1362 - die Harlebucht wird größer

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Funnixer Riege: Wo der Weg nach links abbiegt, ist die Grote Manndrenke 1362 durch den goldenen Ring gebrochen. (Foto: Peter Kremer)

Im Januar 1362 wurde die südliche Nordsee von einer verheerenden Sturmflut heimgesucht. In den Annalen heißt sie offiziell „2. Marcellusflut“, aber wegen der vielen Opfer wird sie auch die „Grote Manndrenke“ genannt, das „Große Ertrinken“. Besonders extreme Auswirkungen hatte die Flut auf Nordfriesland. Die dortigen Festlandsmarschen zerrissen zu Inseln und Halligen und der blühende Handelsort Rungholt ging in den Fluten unter. 500 Jahre später schrieb Detlev von Liliencron das bewegende Gedicht „Trutz, Blanke Hans!“ über diese Tragödie.

Infotafel: De Grote Manndrenke 1362 - die Harlebucht wird größer (PDF | 1,1MB)

Die Weihnachtsflut 1717 - die Tragödie

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„Abbildung der fast übernatürlich-hohen Wasserflut am H. Christ-Tag 1717 und am 25. Hornung 1718“, Nürnberg 1719.

Ausgerechnet in der Heiligen Nacht des Jahres 1717 ereignete sich eine der schlimmsten Sturmflutkatastrophen, von denen die südliche Nordseeküste jemals heimgesucht worden war. Seit zwei Tagen herrschte schwerer Südweststurm, der hohe Tiden durch den Ärmelkanal vor die Küste trieb. Nachmittags drehte der Sturm auf Nordwest, ließ dann aber im Laufe des Abends nach. Die Menschen glaubten, das Schlimmste überstanden zu haben und gingen erleichtert zu Bett.

In der Nacht aber nahm der Sturm plötzlich wieder zu und erreichte Orkanstärke. Mit aller Macht warf sich die Flut jetzt gegen Deiche und Siele. Schon Stunden vor dem morgendlichen Hochwasser strömte die Sturmflut ungebremst über die Deiche oder riss sie gänzlich nieder. Die im Schlaf überraschten Menschen hatten fast keine Zeit mehr, um sich in Sicherheit zu bringen. Mit Müh und Not, im Nachthemd oder gänzlich nackt, flohen sie auf Dachböden oder Heuhaufen. Schnelle Rettung gab es nicht. Viele, die nicht ertranken, starben in den folgenden Tagen an Kälte oder Durst.

Infotafel: Die Weihnachtsflut 1717 - die Tragoedie (PDF | 1,3MB)

Von Landverlust zu Landgewinn - das Verschwinden der Harlebucht

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Mit der verheerenden Groten Manndrenke 1362 hatte die Harlebucht ihre maximale Ausdehnung erreicht. Doch es dauerte nicht lang, ehe die neuen Arme im Süden und Westen der Bucht wieder verlandet waren, teils durch natürliche Verschlickung, teils durch menschliche Mithilfe. Um 1500 hatte die Harlebucht wieder ungefähr die gleiche Gestalt und Ausdehnung wie zu Zeiten des „goldenen Rings“ um 1300.

Infotafel: Von Landverlust zu Landgewinn - das Verschwinden der Harlebucht (PDF | 1,4MB)

Reif für den Deich - Grodengewinn

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„Charte der Situation des Anwachses vor dem Fridrichspolder“ (1784) (NLA Aurich Rep. 244 A Nr. 981)

Beim Gewinn neuer Groden arbeiten Mensch und Natur Hand in Hand. Marschland entsteht auf natürliche Weise dadurch, dass Wattenflächen durch Ebbe und Flut so hoch aufschlicken, dass sie dem Einfluss der Gezeiten schließlich entzogen sind und nur noch bei winterlichen Sturmfluten überflutet werden.Dieser Prozess lässt sich durch den Einsatz von Lahnungen beschleunigen.

Lahnungen sind Doppelreihen von Holzpflöcken, deren Zwischenräume mit Reisigbündeln (Faschinen) aufgefüllt werden. Der Flutstrom dringt zwar durch die Lahnungen in die Lahnungsfelder ein, wird aber deutlich gebremst. Je langsamer das Wasser fließt, desto schneller fallen die mitgeführten Sedimente zu Boden, und das Aufwachsen des Landes beschleunigt sich. Ist das Land mindestens auf 30 cm über mittlerem Tidehochwasser aufgewachsen, gilt es als deichreif.

Die neu eingedeichten Marschen nennt man Groden, Polder oder Koog.

Infotafel: Reif für den Deich - Grodengewinn (PDF | 1,3MB)

Die sieben Sielhäfen der Harle – Blüte und Fall

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Sielhäfen an der Harle (Graphi: Peter Kremer)

Nur dort, wo größere Tiefs durch die Siele in die Nordsee entwässerten, war es möglich, bedeutende Häfen anzulegen und am internationalen Warenverkehr teilzunehmen. Nischenartig angelegte Flügeldeiche legten sich schützend um das Hafenbecken, die Fließkraft des abfließenden Tiefs verlangsamte die Verschlickung.

Im Harlingerland waren es vor allem die Häfen am Wittmunder Tief, der Harle, die sich gut entwickelten. Die Größe des Tiefs und die schiffbare Anbindung an den Geestort Wittmund waren ideal für den Warenverkehr zwischen dem Binnenland und der offenen Nordsee.

Die kleineren Häfen an den anderen Sielen der Harlebucht konnten nicht die gleiche wirtschaftliche Bedeutung entwickeln.

Doch die Blütezeit der Häfen an der Harle währte stets nur kurz. Wenn im Zuge des Grodengewinns im neuen Deich auch ein neues Siel und damit ein neuer Hafen entstand, zogen das gesamte Hafengewerbe und ein Großteil der Bewohner zum neuen Siel um. Die alten Häfen verloren ihre Bedeutung und entwickelten sich zu verschlafenen Dörfern.

Infotafel: Die sieben Sielhäfen der Harle - Blüte und Fall (PDF | 1,1MB)

Die Friedrichsschleuse – ein neuer Sieltyp

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Die Konstruktionszeichnungen von J. H. Magott (NLA Aurich Rep. 6 Nr. 2916)

Der neue Hafen Carolinensiel war erst 35 Jahre alt, als ihm bereits das Ende drohte. 1744 war Ostfriesland an Preußen gefallen, und Friedrich der Große beschloss 1764, das vor dem Carolinengroden aufgewachsene Neuland eindeichen zu lassen. Zeitgleich ließ die Anhalt-Zerbster Regierung auf der wangerländischen Seite den Friedrich-Augustengroden eindeichen.

Ein neues Siel zwischen den beiden Groden sollte von den Ämtern Esens und Wittmund finanziert werden. Doch sowohl die beiden Ämter als auch die Bewohner Carolinensiels wehrten sich gegen den Neubau. Ihr Hafen wäre – so wie zuvor die Funnixer Häfen – von der Nordsee aus nicht mehr erreichbar gewesen. Der Widerstand der Ostfriesen war erfolgreich. Nach holländischem Vorbild wurde ein neuer Sieltyp eingesetzt, der auf der Oberseite von einer Zugbrücke abgedeckt war. Dadurch war das Siel auch als Schleuse nutzbar und Carolinensiel konnte seine Funktion als Seehafen behalten. Auch an der Friedrichsschleuse entstand ein Hafen, der den nach Carolinensiel einfahrenden Schiffen Schutz bot

Infotafel: Die Friedrichsschleuse - ein neuer Sieltyp (PDF | 1,3MB)

Die goldene Linie - eine küstendynamische Pointe

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Die Entwicklung der Inseln Spiekeroog und Wangerooge seit 1650. In rot eingezeichnet - Die goldene Linie. (Graphik Homeier und Luck, 1969, bearbeitet)

Mitten durch die Harlebucht verlief die Landesgrenze zwischen dem Harlingerland und dem Wangerland mit der Herrschaft Jever.

Zwar gab es im 16. Jahrhundert eine wirkungsvolle, länderübergreifende Zusammenarbeit beim Funnix-Berdumer (Alten-)Groden, doch gab es bei den weiteren Deichbau- und Entwässerungsprojekten zunehmend Streitigkeiten um den genauen Grenzverlauf in der noch unbedeichten Harlebucht.

Infotafel: Die goldene Linie - eine kuestendynamische Pointe (PDF | 700KB)

Aufwärts muss es fließen - die Grodentreppe

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Schematische Grodentreppe der Harlebucht (Graphik Peter Kremer)

Die Marsch ist nicht so tischeben, wie sie scheint. Weil von jeher die ufernahen Bereiche öfter überflutet wurden als die uferfernen, konnten sich dort mehr Sedimente absetzen und die Marsch höher aufwachsen. So entstand auf natürliche Weise eine Neigung von der Küste hin zum Geestrand. Die hohen Marschpartien nennt man Uferwälle, die niedrigen, meist nassen und ursprünglich von Niedermooren bedeckten Marschen heißen Sietland. Die relativ hohen Uferwälle zwischen Ems und Weser wurden bereits im letzten vorchristlichen Jahrtausend besiedelt, das feuchte Sietland erst ab dem Mittelalter.

Noch stärker trat der Effekt bei der schrittweisen Grodengewinnung auf. Jeder neue Groden war ein bisschen höher aufgeschlickt als der alte, und zusätzlich sackte der alte Groden durch planmäßige Entwässerung. Dieses Phänomen heißt Poldertreppe, nach hiesigem Sprachgebrauch aber wäre Grodentreppe richtiger.

Abb.: Höhenkarte der Harlebucht (Graphik: Axel Heinze (Idee) / LGLN Aurich (Ausführung) / Peter Kremer (Bearbeitung))

Infotafel: Aufwärts muss es fließen - die Grodentreppe (PDF | 1,2MB)

Klimawandel und Küste - viele Szenarien, klarer Trend

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Der postglaziale Meeresspiegelanstieg seit dem Ende der Weichsel-Kaltzeit (Graphik: Peter Kremer, Quelle: K.-E. Behre, 2005)

Die Frage nach der Zukunft der Marschen als Lebensraum des Menschen ist eng verknüpft mit der Frage nach dem Klimawandel. Der steigende Meeresspiegel und eine mögliche Zunahme schwerer Sturmfluten haben unmittelbaren Einfluss auf das Leben hinter den Deichen.

Da das globale Klimasystem komplex ist, und sich viele der wirksamen Klimafaktoren gegenseitig aufschaukeln oder abschwächen können, sind exakte Vorhersagen relativ schwierig. Die Bandbreite der verschiedenen Szenarien ist entsprechend groß und abhängig von den jeweiligen Rechenmodellen.

Dazu kommt, dass das Klima im Laufe der Erdgeschichte nie statisch gewesen ist. Allein in den letzten 400.000 Jahren hat es drei lange Kaltzeiten und drei kurze Warmzeiten gegeben. Erst vor rund 12.000 Jahren endete die bisher letzte Kaltzeit.

Bei aller Bandbreite der Szenarien ist der Trend jedoch eindeutig. Die globalen Mitteltemperaturen und der Meeresspiegel steigen.

Abb.: Die Sommertemperaturen seit der Elster-Kaltzeit (Graphik: Peter Kremer)

Infotafel: Klimawandel und Küste - viele Szenarien, klarer Trend (PDF | 1,1MB)

Impressum

Das Deutsche Sielhafenmuseum bedankt sich herzlich bei allen Förderern und Beteiligten für ihre Unterstützung. Die Ausstellung wurde aus den Mitteln der Regionalen Kulturförderung der Ostfriesischen Landschaft und vom Rotary Club Wittmund-Esens finanziell unterstützt.

Ostfriesische Landschaft   Museumsverbund Ostfriesland   Alexander-von Humboldt-Schule (KGS) Wittmund

 Musealog   Nationalpark-Haus Carolinensiel   Rotary Club Wittmund-Esens  Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel

 

Konzeption und Gestaltung der Ausstellung: Peter Kremer
Ausstellungstexte: Peter Kremer
Redaktion: Dr. Heike Ritter-Eden und Dr. Julia Kaffarnik (Dt. Sielhafenmuseum)
Fachliche Betreuung des Seminarfachs „Die Harlebucht - eine Region verändert sich“ an der Alexander von Humboldt-Schule Wittmund: Elisabeth Redelfs, Axel Heinze, Peter Kremer und Martin Kattmann.
Ausstellungsbau:
Hauke Popken und Eugen Martin (Dt. Sielhafenmuseum)
Druck: JD-Werbedruck, Wittmund
Historische Recherche und wissenschaftliche Ausarbeitung: Peter Kremer
Exponateinrichtung und Leihgaben: Anke Holtappels (Musealog) und Ruth Reisenauer  (Dt. Sielhafenmuseum)
Grafik: Peter Kremer
AV-Medien: Kreisbildstelle des Landkreises Aurich, Außenstelle Norden. Martin Kattmann (Dt. Sielhafenmuseum)